Monatsbotschaft

Endlose Wiederkehr?


Warum kommen wir immer wieder hierher auf die Erde, in einen menschlichen Körper und müssen erneut durch dieses Leid hindurch gehen? Wir sind doch eigentlich das Selbst, dass sich getrennt hat um wieder zu sich selbst zurückzufinden. Wieso bleiben wir nicht in diesem All-Bewusstsein?

Saajid: Diese Frage zeigt die Tiefe unserer Verblendung und den Ursprung allen Leidens. Gleichzeitig ist es auch eine sehr unschuldige Frage und daher liegt sie sehr nahe an der Pforte zur Wirklichkeit. Genau genommen weniger als ein Haar breit neben der Wirklichkeit. Aber so ist es mit all unseren Vorstellungen und Einbildungen.
Wir sind All-Bewusstsein und haben daher dieses Bewusstsein nie verlassen. Wie könnten wir auch verlassen was unsere wahre Natur ist. Es ist nicht möglich. Alles ist das Eine. Wir haben uns in diesen Vorstellungen und dieser Hypnose jemand zu sein der unabhängig funktioniert verloren. Wir fühlen uns vom Mysterium unseres Wesens, unserer Quelle, unseres Ursprunges getrennt und suchen nach Erfahrungen welche uns glückverheißend erscheinen. Wir suchen nach einem Ersatz für unser scheinbar verlorenes Paradies und finden nur „Scheinbarkeiten“. Das ist die Ursache unseres Leidens und genau dieses Leiden führt uns zu unserem Ursprung zurück. Die Frage warum wir immer wieder hierher kommen ergibt sich daraus. Sie entspringt einer sehr üblichen jedoch verdrehten Sicht. Es ist nicht so dass wir immer wieder auf die Erde kommen. Wir sind immer hier, es ist die Erde und alle Erscheinungen welche kommen und gehen.

Es gab in der Geschichte der Menschheit alle möglichen Ideen die man als selbstverständlich und wahr angenommen hat und die sich doch nur als gute und glaubhafte Illusionen herausgestellt haben. Genauso verhält es sich mit der Idee, dass wir in diesem Körper und in dieser Welt sind. Dass unser Körper und die Welt, ja das ganze Universum in unserem Geist erscheint ist natürlich eine bahnbrechende, schockierende Theorie, welche uns zurzeit noch verrückt, verdreht und utopisch erscheint, obschon sie schon vor dreitausend Jahren von Buddha klar postuliert wurde. Es verhält sich wie mit der vehement vertretenen Überzeugung der Erde als Scheibe, oder als Mittelpunkt des Universums.
Galileo Galilei erkannte, dass die Planeten um die Sonne kreisten und somit die Erde nicht Mittelpunkt des Systems sein konnte. Diese Theorie hatte Kopernikus jedoch bereits 1514 entwickelt, doch durch Galilei wurde sie zum ersten Mal durch naturwissenschaftlich-astronomische Beobachtung nachgewiesen. Die katholische Kirche war entsetzt. Ihr gesamtes Weltbild geriet aus den Fugen. Schließlich behauptete sie nach wie vor, die Erde sei der Mittelpunkt des gesamten Universums. Die katholische Kirche ließ sich bis ins Jahr 1992 Zeit bis sie eingestand, dass Galilei und Kopernikus recht hatten.
Unsere Einbildungskraft kann Dogmen erschaffen welche sich über Jahrtausende aufrecht erhalten.

Der menschliche Körper, die Erde, ja alle unsere Wahrnehmungen erscheinen als Reflexionen des universellen Selbst in unserem Geist und manifestieren sich dadurch als Erscheinungen eines individuellen Selbst. Doch das individuelle Selbst ist auch das universelle Selbst (das göttliche Eine oder die Quelle). Es gibt nur das Eine und nur das Eine alleine kann wirklich sein. Wir bleiben immer hier. Alles was kommt und geht entspringt diesem Hiersein und ist dieses Hiersein. Wir verkörpern uns nicht wirklich. Wiedergeburt gibt es nicht so wie die meisten Menschen, welche an Wiedergeburt glauben sich dies vorstellen. Unsere Körper gehören stets der Erde. Die karmische Bindung an unsere Körper und damit an das ganze Universum, sowie an den Kreislauf der Vergänglichkeit, entspringen unserer immensen Einbildungskraft und Identifikationsfähigkeit. Keine unserer Einbildungen kann je eine unabhängige Wirklichkeit darstellen.
Das heißt jedoch nicht, dass wir die Welt und das menschliche Leben als unwirklich betrachten dürfen. Unsere menschlichen Leben tragen stets beide Aspekte in sich, die Erscheinungen, welche aus Reflexionen der Wirklichkeit bestehen, sowie der Wesensgrund selbst; beides als Eines.

Shankara einer der bedeutendsten indischen Weisen formuliert dies anhand eines Tontopfes auf diese Weise:
„Der Ton ist die Grundlage des Topfes. Topf ist Name und Form, Topf ist die Wirkung, Ton die Ursache.“
Oder noch prägnanter auf eine paradoxe Weise, welche jedem Zenmeister Ehre bereiten würde:
„Brahman alleine ist die Wirklichkeit. Die Welt ist Illusion. Brahman ist die Welt.“

In Liebe Saajid



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